Bücher aus und über China

Unsere Buchempfehlungen und -rezensionen zu den Themen:

 

Sie haben Ihr Lieblings-China-Buch nicht bei uns gefunden? Oder Sie haben eine besondere Empfehlung für uns und unsere Leser? Dann schreiben Sie uns: redaktion@dca-news.de

 

Buchrezension: Nur ein wilder Drache überquert das Meer

Nur ein wilder Drache überquert das Meer

 

Eine Lebensgeschichte zwischen zwei Kulturen

 

Die Autorin Weihong Dai-Lapsien hat sich mit diesem Buch befreit von ihren eigenen Gefühlen, Opfer einer in der deutschen Gesellschaft und Wirtschaft dominierenden Männergesellschaft zu sein. Sie widmet ihre Geschichte Deutschland, um – wie es im vorletzten Absatz des Buches heißt – „den deutschen Boden furchtbarer zu machen“. Ich habe damit begonnen, diese Autobiographie von den letzten Seiten her zu lesen. So fiel mir der Druckfehler auf: Meint die Autorin wirklich „furchtbar“?

Eine junge Frau verlässt mit 23 Jahren die VR China Anfang Februar 1991. Sie hat ein Stipendium für ein Germanistikstudium in Paderborn. Mit 30 hat Anna Dai (so wird sie in Deutschland genannt) ihren Magister in der Tasche, Erfahrungen gesammelt beim Jobben und Wirtschaftspraktika absolviert. Nun arbeitet sie in verschiedenen Unternehmen als Übersetzerin, Verkaufsrepräsentantin, Coach im Deutschland-China Geschäft. Anna wird die Härte der Konkurrenz erfahren, ihr schlägt Mißtrauen und Anfeindung als Ausländerin entgegen. Zig-mal wechselt sie den Arbeitsplatz, gezwungenermaßen. Ihr persönliches Lebensglück ist ebenso Irrungen und Wirrungen ausgesetzt. Anna ist zerrissen zwischen zwei Kulturen. Schließlich findet sie den Ruhepol bei ihrem deutschen Ehemann. Sie bekommt 2006 ihre Tochter Viktoria, der das Buch gewidmet ist.

Soweit der grobe Abriß des Lebenslaufs: Was den Leser darüber hinaus erwartet, ist eine sehr persönliche Analyse der chinesischen und deutschen Einstellung zu Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft durch die Autorin. Anna Dai nimmt ihre Mitmenschen, seien es Freunde, Bekannte oder Verwandte, unter die Lupe. Schonungslos zeigt sie Schwächen und Stärken der chinesischen/deutschen Wegbegleiter auf. Ihr persönlicher Werdegang spiegelt auch die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen zwischen 1986 und 2014 in China und Deutschland wider: Die Studentenunruhen auf dem Tian’anmen, die Auswirkungen des 11. Septembers, der Golf-Krieg, die Sozialpolitik/Familienpolitik der Ursula von der Leyen.

Was bewegend ist, das sind die Schilderungen der seelischen Erschütterungen, der Zerrissenheit zwischen den Kulturen, zwischen Tradition und Moderne. Ihre chinesische Großfamilie läßt sie eigentlich im Stich. So nimmt es kein Wunder, dass mit der Heirat und der Geburt der Tochter Viktoria Weihong Dai-Lapsien in Deutschland endlich Wurzeln geschlagen hat. Sie kann nun den “deutschen Boden fruchtbarer machen“.

Empfehlenswert besonders all den Personen, die sich in ähnlicher Situation befinden: Deutsch-chinesische Paare und deren Angehörige. Die Autobiographie weckt Verständnis, trägt zum Abbau von Vorurteilen bei und kann den geistigen Horizont erweitern.  (v. d. Nahmer)

 

Nur ein wilder Drache überquert das Meer, Eine Lebensgeschichte zwischen zwei Kulturen, Berlin.

 

Pro BUSINESS 2016, 1. Auflage, www.book-on-demand.de,

 

ISBN 978-3-86460-371-6      €18.95

Mulan - Verliebt in Shanghai

28.04.2016, Bei dtv, Reihe Hanser, erschien im Februar ein Jugendroman – geeignet ab 13 Jahre laut Empfehlung. Was erwartet ein junger Mensch, wenn er auf der Titelseite liest: „Verliebt in Shanghai“. Ist das Mädchen Mulan verliebt in diese gigantische Metropole mit ihrer nächtlichen Glitzerwelt, den berauschenden Einkaufstempeln, der Vielfalt an exotischen Genüssen, dem Nebeneinander/Durcheinander von östlicher und westlicher Kultur. Oder ist das junge Mädchen schlicht verliebt in einen jungen Mann? Letzteres ist der Fall.

Susanne Hornfeck schickt ihre Protagonistin für drei Monate von München nach Shanghai. Mulan, Tochter einer Chinesin und eines Deutschen, hat sich dem mütterlichen Wunsch widersetzt, weiterhin die chinesische Schule am Wochenende zu besuchen, um Schriftzeichen zu lernen. Zu lästig, zu umständlich, zu unbequem. Der Familienfriede droht zu platzen. So trifft die Tochter zum ersten Mal in ihrem Leben auf die chinesischen Verwandten. Aus dem bayrischen Reihenhaus in eine kleine zweieinhalb Zimmerwohnung, die sich Großmutter, Onkel, Tante, Cousin nun mit ihr teilen. Ein Kulturschock?

Die Autorin führt uns mit Mulans Nase, Augen und Ohren durch Shanghai: Der tägliche Einkaufsstress der Großmutter, die für das abendliche, gemeinsame Essen sorgt; der Cousin, der seine jüngere Verwandte mit den Vorlieben der Oma für Revolutionslieder und Sprüche von Mao und Konfuzius vertraut macht; der Onkel, der für Karaoke schwärmt und sich einen Firmenwagen mit Chauffeur für einen Familien-Ausflug mietet. Die Klassenkameraden in der Sprachenschule, die aus den unterschiedlichsten Ländern und Schichten kommen.

Dann! Nianshen, die erste zarte Liebe, für die nur kurze Zeit bleibt, denn der Student wird in Taipeh seinen Studienplatz wahrnehmen.

Wie nun entwickelt sich das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter: In den Briefen, die ihr die Mutter schickt, erfährt Mulan, warum die junge Frau einst China verlassen hat, wie ihr Verhältnis zu der eigenen Mutter war; was es bedeutet, in einem anderen Kulturkreis zu leben. Mulan wird durch die Großmutter belehrt, dass laut Konfuzius die Beziehung zwischen Eltern und Kindern eine der fünf menschlichen Grundbeziehungen ist. Nach 25 Jahren der Trennung werden Großmutter und Mutter sich in Shanghai wiedersehen und Mulan sich als Botschafterin in Familienangelegenheiten betrachten. Mulan ist in beiden Welten angekommen, „weil West und Ost sich hier schon immer begegnet waren.“     

Über die Geschichte des Mädchens Mulan hinaus, erfährt der Leser manches über Sitten und Gebräuche und wichtige historische Ereignis aus dem China des letzten Jahrhunderts: Kolonialzeit, Kulturrevolution, wirtschaftlicher Aufstieg.  (v. d. Nahmer)

 

Susanne Hornfeck, Mulan, Verliebt in Shanghai, dtv, Reihe Hansen, München, 2016

ISBN 978-3-423-65022-9        € 12.95

China-Marketing - Geschäftserfolg im Reich der Mitte

Quelle: springer.de
Quelle: springer.de

A. Tank

China-Marketing

Geschäftserfolg im Reich der Mitte

Euro 9,99 € (D) | 10,27 € (A) | CHF 11,00

Reihe: essentials
▶ Aktuelles Wissen in konzentrierter Form

▶ Erfolgversprechende Strategien für den chinesischen Markt 

▶ Mit vielen Praxisbeispielen

 

Dieser Ratgeber vermittelt die entscheidenden Faktoren für ein erfolgreiches Marketing in China. Praxisorientiert und verständlich bringt er auf den Punkt, wie Unternehmen in diesem ebenso spannenden wie herausfordernden Marktumfeld bestehen können. Anhand zahlreicher Beispiele erhält der Leser Orientierung und Anregung, um für die eigene Marke eine erfolgversprechende Strategie für den chinesischen Markt zu erarbeiten.  

 

Der Inhalt

• Erfolg im Wunderland

• Chinakompetentes Produktmanagement

• Effektive Marketing-Kommunikation

• Auf dem Weg zur Chinability

 

Die Zielgruppen

• Manager sowie Fachkräfte im Bereich Marketing

• Studierende und Dozierende der Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und der Sinologie

 

Der Autor

Dr. Dr. Andreas Tank ist in führender Position für ein deutsches Unternehmen in Shanghai tätig. Er arbeitet seit 2004 in China. Seine Publikationen zum Thema China-Marketing gelten als Standardwerke.


„Das China-Überraschungsbuch des Jahres: Einblicke in die Marktdynamik Chinas von einem ,old China hand‘. Was kann alles schieflaufen, und vor allem: Wie macht man es besser.” - Jörg Wuttke, Präsident Europäische Handelskammer in China

 

„China ändert sich. Das China-Marketing auch. Andreas Tank bringt auf den Punkt, was Unternehmen berücksichtigen müssen, wenn sie in China erfolgreich sein wollen.” - Peter Tichauer, Chefredakteur ChinaContact

Mein Land und mein Volk

Quelle: drachenhaus-verlag.com
Quelle: drachenhaus-verlag.com

Lin Yutang

Mein Land und mein Volk

Euro 29.95

ISBN: 978-3-943314-12-0

 

Lin Yutang: kritischer Journalist, Romancier, Linguist, Philosoph, Bildungsbürger, intimer Kenner chinesischer und europäischer Literatur, rastlos und umtriebig im besten Sinne, verfasste  1935 sein Buch „Mein Land und mein Volk“ in den großen Wirren der Auseinandersetzung zwischen der Guomindang/Tschiang-Kaishek und den Kommunisten/Mao Tsedong. Der Autor war hin-und hergerissen als Beobachter eines gewaltigen Umbruchs und schlug sich auf die Seite Tschiang-Kaisheks. Dies entfremdete ihn schließlich Pearl S. Bucks, die Lin zur Abfassung einer Studie über China, das Land und dessen Menschen angeregt hatte. Buck meinte, nur ein Chinese, der auch die westliche Kultur kenne und die englische Sprache absolut beherrsche, könne dem Leser tiefe Einblicke in das Wesen des Reichs der Mitte vermitteln. Lin legte ein philosophisch reflektiertes Buch vor. Seine Aufenthalte in den USA, Deutschland und Frankreich ermöglichten ihm, aus gewisser Distanz, oftmals ironisch, seine Landsleute zu charakterisieren. Die Unterschiede in dem riesigen Vielvölkerland, die Traditionen der Minderheiten, Literatur, Geschichte, Sprachenvielfalt, die Ideale seines Volkes: All dies beschreibt Lin mit Abstand und zuweilen bissigem Humor. „Da haben wir auf der einen Seite den Nordchinesen, einen klar denkenden, abgehärteten Burschen, groß und kräftig, gesund, munter und gut gelaunt, einen Zwiebelesser und Spaßmacher…“ Im Süden  dagegen „ kleingewachsene Männer…nervenschwache Frauen, mit Vogelnestersuppe und Lotussamen aufgepäppelt.“(S. 71 f.). Stets zieht er Beispiele aus der klassischen chinesischen Literatur/Poesie und Geschichte heran und schlägt einen Bogen zu westlicher Literatur/Geschichte. Die Spannweite  reicht von Aristophanes bis zu Shaw. Lin führt den Leser in die Denkschulen der Legalisten, Daoisten  und Buddhisten ein und zeigt auf, dass sich die chinesischen Lehren nicht auf den Konfuzianismus reduzieren lassen. Einen besonderen Blick hat Lin auf die Rolle der Frauen, wobei er sich überwiegend auf die wohlhabendere Schicht bezieht. Kurtisanen, Konkubinen und Ehefrauen haben ihre sehr eigenen Rollen in der Welt der Männer. Zwischen Kommunismus und Guomindang musste die Entscheidung fallen. Lin setzt sich mit dem Thema der Demokratisierung Chinas in den Kapiteln „Soziale Klassen“ und „System des Dorfes“ auseinander. Er kommt zu einer sehr eigenen Sicht „Das chinesische Volk versteht sich, wie es in langen Zeitabläufen bewiesen hat, ausgezeichnet selber zu regieren. Wenn die sogenannte „Regierung“ das Volk nur in Ruhe lässt – das Volk wird umgekehrt der Regierung  nichts Böses antun.“ (S. 279) Das Erhellendste – auch auf die Gegenwart zutreffende Kapitel „Von Herrschaften regiert werden“, zieht den Leser in seinen Bann. Ein Satz prägt sich besonders ein, dass China nicht mehr Sittlichkeit – heute oft als moral education zu vernehmen – sondern eine größere Anzahl Gefängnisse für Politiker brauche. In „Der Ausweg“ urteilt Lin über den Sinn oder Unsinn der Einführung von –  der im Westen hoch gelobten –  Demokratie in China. Er wünschte sich eine Herrschaft der Gerechtigkeit, ohne Korruption. 1935 sah Lin sein Land zerrissen. Doch allen Anfechtungen zum Trotz  stellt er fest, dass Chinas Menschen Jahrhunderte des Krieges, Seuchen, Unbilden der Natur und menschliche Misswirtschaft mit „grimmigem Humor“ ertragen haben. China hat sich seine Seele bewahrt durch „die Poesie der Lebensgewohnheiten“ – so Lin im Prolog zum ersten Teil des Buches. Herausgeber Prof. Dr. Thomas Heberer, Seniorprofessor am Ostasieninstitut der Universität Duisburg-Essen und Professor an der Schule für Public Management der Zhejiang-Universität in Hangzhou in China, schlägt in der Neuauflage eine Brücke zum heutigen China. Seine Einführung macht deutlich, wie bedeutend und aktuell Lins Analysen sind. Welche Relevanz Lins Gedanken bis heute haben, zeigte sich vor Kurzem als Carsten Herrmann-Pillath, Lehrstuhlinhaber an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft Universität Witten/Herdecke, bei einer Podiumsdiskussion darauf hingewiesen hat, dass die  jetzige Regierung mehr in die soziale Absicherung der Menschen investieren solle, damit es nicht wegen der krassen sozialen Unterschiede im Lande zu Unruhen kommen werde. Sein Gesprächspartner Yao Yang, Professor am China Center for Economic Research und Dekan der National School of Development an der University of Beijing und Berater der chinesischen Regierung erwiderte: Die Chinesen seien seit Jahrhunderten an soziale Unterschiede gewöhnt. Unter Xi Jinping habe jeder die Möglichkeit, sich seinen chinesischen Traum zu erfüllen. Carsten-Herrman  Pillath stimmte zu und ergänzte: „Was die Bevölkerung verärgert: Wenn Wohlstand unter unfairen Bedingungen bei wenigen Mächtigen gebündelt wird." Auch deshalb habe die Regierung eine Antikorruptionskampagne gestartet. Stellte Pearl S. Buck  in ihrem Vorwort 1935 fest, dass China „sich mit einem Sprung von der Zeit des primitiven Feldwegs unmittelbar bis ins Zeitalter des Flugzeugs (auf)gemacht hat“, so zeigt in der Neuauflage von 2015 das Titelblatt  welch gewaltigen Spagat  China zwischen einer jungen, aufstrebenden, westlich- orientierten Gesellschaft und den Hütern politischer Strukturen auszuhalten hat.


Der  an China und seiner Entwicklung interessierte Leser sollte nicht versäumen, das vor nunmehr 80 Jahre zuerst erschienene Buch Lin Yutangs aufmerksam zu studieren. Es hat – auch nach vielen politischen Veränderungen – nichts an seiner Bedeutung zum Verständnis der chinesischen kulturellen, sozialen und historischen Entwicklungen verloren. (von der Nahmer)
 
Lin Yutang - Mein Land und mein Volk

aus dem Englischen von Wilhelm Süskind, Herausgegeben und Bearbeitet von Thomas Heberer unter Mitarbeit von Nora Frisch,

Drachenhaus Verlag 2015, ISBN: 978-3-943314-12-0

China - Impressionen und Gesichter

Ingo Becker-Kavan
China - Impressionen und Gesichter

Euro 24.90

ISBN 978-3-956321122

 

Das Buch »China – Impressionen und Gesichter« hat mir ein Freund zu meinem Geburtstag geschenkt, weil er weiß, dass ich nach meinem Examen gerne einmal nach Asien, insbesondere China, fahren würde. Ich habe das Buch in wenigen Tagen gelesen, so spannend ist es geschrieben. Vor allem ist es ein Reiseführer der anderen Art. Keine Aufzahlung von Sehenswürdigkeiten und Hoteladressen, sondern die lebendige Schilderung einer tollen Reise. Es kam mir vor, als wenn ich selbst mitgefahren wäre. Die Beschreibung einer chinesischen Hochzeit, an der der Autor teilgenommen hatte, war richtig interessant und die spannende Darstellung der geschichtlichen Hintergründe der bereisten Orte kurzweilig zu lesen. Vor allem habe ich viel über das Gebiet von Kiautschou gelernt. Das interessierte mich deswegen auch, weil ich als Schüler einige exotische Briefmarken aus der alten deutschen Zeit hatte. Besonders interessant fand ich das Leben des ersten und des letzten chinesischen Kaisers. Das las sich fast wie ein historischer Roman. Als gute Zugabe hat der Autor am Ende des Buches eine Zeittafel angefügt, die einem beim Lesen sehr hilfreich ist. Alles in allem ein cooles, sehr gut gelungenes Buch. (Daniel Köhler aus 21502 Geesthacht)

Der Chinese an sich... Und im Allgemeinen

Jo Schwarz

Der Chinese an sich…und im Allgemeinen

Euro 9.95
ISBN 978-3-943176-90-2


Jo Schwarz zeigt mit Alltagssinologie dem Leser westlicher Sichtweise die skurrilen Seiten  des Reichs der Mitte und seiner Bewohner auf. Großen Genuss findet man an dem Band, wenn man selber längere Zeit in China verbracht hat und einige seiner  liebenswerten oder anderer,  eher fremdelnder Menschen näher kennengelernt hat. So erwischt man sich beim Lesen der einzelnen Kapitel beim Schmunzeln, Zustimmen, Kopfschütteln über eigentümliche Verhältnisse: „Geruchsküche“ befasst sich mit nationalen Spezialitäten und deren Duftwolken; „Künstliche Wutanfälle“ ist entweder als Leitfaden für Eheanbahnung oder Flucht vor dem weiblichen Geschlecht zu verstehen; „Kehrwoche“ klärt die Langnase über die unterschiedliche Wahrnehmung von Schmutz  und dessen Beseitigung aus Sicht einer schwäbischen Hausfrau und ihrer chinesischen Genossin auf.  Mit gängigen Klischees räumt Jo Schwarz auf. Er führt den Leser auf amüsante Weise in die neue Welt  des alten Reichs der Mitte ein. Jedem sei dieser Band  als Lektüre empfohlen bevor er seine Reise nach China antritt: Land und Leute, deren Mentalität wird er besser verstehen. (Helga von der Nahmer)

Im Reich der Mitte, Frühe Fotografie aus China

Ferry Bertholet, Lambert van der Aalsvoort

Im Reich der Mitte, Frühe Fotografie aus China

Euro 58.00
ISBN 978-3-945330-04-3


Wer 2014 aus der VR China nach einer Reise  zurückkehrt, wem dann ein Bildband mit Fotografien, aufgenommen  im Reich der Mitte vom Ende des 19. bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts in die Hände fällt, der kommt aus dem Staunen nicht heraus. Die mit Autos verstopften,  vielspurigen Ringstraßen um Peking, das Gehupe und die aberwitzig überholenden Fahrer in ihren Porsche –BMW- und anderen Edelkarossen, die glitzernden Fassaden der Kaufhäuser in den Prachtboulevards – Tempel der Verführung –  Menschenmassen, die sich in die U-Bahnen drängen. Junge ehrgeizige Chinesen mit ihren Smartphones: All das hat so gar nichts mit dem zu tun, was einmal China war.
Im Reich der Mitte, Frühe Fotografie aus China
Dschunken, Dächer, Mandschu –Damen, Drachenthron und Dorfidylle: vielfältig sind die Eindrücke, die der Betrachter der eindrucksvollen Aufnahmen in  Land und Leute gewinnt. Tragisches menschliches Schicksal, Portraits edler Damen der Gesellschaft neben Zeugnissen bitterer Armut lassen nicht unberührt. Prachtvolle Kaufmannshäuser und ihre stolzen Besitzer bilden einen erschütternden Gegensatz zu Sträflingen, die kurz vor ihrer öffentlichen Hinrichtung stehen. Im Salon Opium-rauchende reiche Jünglinge, auf der Straße ein Pfeifchen genießender Schirmmacher. Quirliges Treiben auf den Märkten, barfüßige Rikscha-Fahrer, die auf Kunden hoffen, Edelkarossen beim morgendlichen Verkehr auf dem Bund. Wanderbarbiere  und  Beamte mit Konkubinen, Straßennäherinnen und  eine Familie beim Pferderennen: Die Vielfalt der gesellschaftlichen  Schichten ist festgehalten in berückend-bedrückenden Bildern. Die Architektur des International Clubs auf dem Bund in Shanghai sowie die Häuser an der Uferpromenade in Hongkong verdeutlichen den Kontrast zu den Hutongs, zur ländlichen Gegend  in der Provinz Kwangtung, zum Sampan-Dorf in Futschau, den beschaulichen Hütten in den Dörfern der Mandschurei und einem Klanhaus in der Provinz Fukien.  Europäischer Einfluss und Althergebrachtes.
Das China der Gegenwart fasziniert mit seiner Wirtschaftsmacht, seinem zunehmenden Einfluss im Pazifikraum. Touristen strömen nach Shanghai, Peking und Xi‘an, fahren mit Luxusschiffen den Yangtze hinunter und besuchen die Reisterrassen. Sie alle nehmen ein bestimmtes Bild mit zurück. Die frühen Fotografien aus dem Reich der Mitte vermitteln hingegen ein anderes. Es zeigt die Vergangenheit in ihrer ganzen Schönheit und Unbarmherzigkeit. Jedem, der das heutige China bereisen möchte, sei der Bildband empfohlen zur Einstimmung. (Helga von der Nahmer)


Im Reich der Mitte, Frühe Fotografie aus China, Ferry Bertholet, Lambert van der Aalsvoort, 2014 Mercatorfonds, Brüssel und die Autoren www.mercatorfonds.be


2014 Copyright für die deutsche Ausgabe: Fröhlich&Kaufmann Verlag und Versand GmbH www.froelichundkaufmann.de

 

BB = VOM BROCKEN NACH BEIJING - Ich bin nur eine Radfahrerin

Roswitha Söchting
BB = VOM BROCKEN NACH BEIJING - Ich bin nur eine Radfahrerin
Erhältlich bei BoD (www.bod.de)
Euro 17.90
ISBN 978-3-7357-0981-3


Schon von frühen Kindesbeinen an wurden Radreisen unternommen, zuerst im kleinen Rahmen. Später wurde der Rahmen stetig größer: Zum Bergsteigen in die Alpen, durch Australien, südlich des Schwarzen Meeres von Deutschland nach China und jetzt nördlich des Schwarzen Meeres vom Brocken nach Beijing. Jeden Tag gab es kleine oder große Schwierigkeiten, seien es die vielen Reparaturen am Fahrrad in Polen, ein schwerer Unfall in der Ukraine, Schlaglöcher auf den Straßen in Russland, Pilzvergiftung in Kasachstan, Bienenstich in China usw. Neben einer sehr guten Kondition für 14.000 km in 135 Tagen incl. Ruhetagen benötigt man Nerven wie Drahtseile, um alle Unwegsamkeiten auszuräumen. Ein Durchkommen vom Brocken nach Beijing war nur möglich auf Grund der Unterstützungen von vielen Menschen in unterschiedlicher Form und der vielfältigen Begegnungen. Die Reise war nicht nur ein Ausloten der körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte in jedweder sozialen Umwelt, sondern auch der Blick auf wirtschafts-, umwelt-, sozialpolitische Gegebenheiten in jedem Land. Bei Nebel und Kälte fand der Start am Brocken statt, die Ankunft war bei Sonne und Wärme in Beijing. Abenteuerreisen haben viele Gesichter und sie machen frei. Aus den Reisen wächst eine neue Kreativität des Geistes.

Schöne Wolken treffen – eine Reisenovelle aus China

Dr. Wulf Noll
Schöne Wolken treffen – eine Reisenovelle aus China
Reisebuch.de Verlag, Eutin 2014
Taschenbuch 14,45 EUR, E-Book 5,99 EUR
ISBN 978-1500953263

 

In dieser Reisenovelle, diesem Reiseroman, geht es um ein neues und anderes Bild von China, das den oftmals dunklen Medienberichten, von der wirtschaftlichen Entwicklung abgesehen, widerspricht. Schöne Wolken treffen liefert ein heiteres Chinabild, in dem zumeist junge Leute, die an ihrer Karriere basteln und die zugleich an ihre Selbstentfaltung denken, die Hauptrolle spielen. Schöne Wolken ist eine dieser jungen Frauen, die wie fast alle Chinesinnen und Chinesen einen sprechenden Namen trägt. Sie verstrickt den Protagonisten, einen Deutschen mit Namen Robert Marian, in so manch aufregendes Abenteuer und zwar auf dem Campus der Universität, auf Reisen und auf Homestays.

 

Schöne Wolken und viele andere junge Leute, die in der Reisenovelle in Erscheinung treten, gehören zur BYD (Build Your Dream) Generation, die von einer sehr individuellen, doch auch kollektiven Aufbruchsstimmung geprägt ist. Diese jungen Leute interessieren sich kaum noch für Politik, sind aber bildungsbeflissen und hochmotiviert, was ihre Lebensgestaltung anbelangt.

 

Die Reisenovelle hat ihren festen Ort auf dem Campus der Universität Ningbo, von dem aus die Reisen in China zu herausragenden Orten stattfinden, nicht nur in große Städte wie Shanghai, das am Westsee gelegene Hangzhou oder Beijing, sondern auch in ländliche Gegenden wie Wuyuan oder auf die (buddhistische) Insel Putuo.

 

Von besonderer Intensität erweist sich die Reise entlang der Seidenstraße von Xi’an bis nach Dunhuang. Aber die Erfahrungen, welche Robert Marian – seines Zeichens Gastpoet und Flaneur – macht, sind nicht nur Reiseerfahrungen, sie resultieren zugleich aus den besonderen und tieferen Einblick gewährenden Homestays, sei es in einer Arbeiter- oder in einer Bankerfamilie, sowie aus der ununterbrochenen, dichten und anregenden Kommunikation mit jungen Chinesinnen und Chinesen auf dem Campus vor Ort.

 

Wulf Noll arbeitete von 2009-11 als Lehrer für deutsche Sprache und Kultur an der Universität Ningbo, die sich in der großen Hafenstadt Ningbo an der Ostküste Chinas in der Nähe von Shanghai befindet. 2012 führte den Autor eine größere Reise abermals nach China.

Allein unter 1,3 Milliarden

Christian Y. Schmidt
Allein unter 1,3 Milliarden
Kahl Verlag, 1. Auflage, erweiterte Neuauflage September 2014
Euro 16.95
ISBN 978-3-938916-26-1

 

„Was machst du eigentlich in China?“ Diese Frage, die sich Christian Y. Schmidt jeden Tag von seinem chinesischen Müllmann stellen lassen muss, regt den Journalisten und Autor dazu an, über sein Leben in China nachzudenken. Weshalb lebt er dort? Und weshalb kennt er so wenig von China selbst? Mit seiner chinesischen Frau lebt und arbeitet Christian Y. Schmidt in der Hauptstadt Peking und bewegt sich seit geraumer Zeit in den immer gleichen Kreisen. Zwischen der deutschen Fleischerei, der deutschen Bäckerei „Die Bäckerei“, den Vernissagen und Botschaftsempfängen gefangen, erkennt der Autor, dass es endlich an der Zeit ist, China zu entdecken.

 

Christian Y. Schmidt begibt sich auf die abenteuerliche Reise von Shanghai, quer durch China nach Kathmandu. Auf dieser Reise lernt er nicht nur das Land, die Städte und die öffentlichen Verkehrsmittel Chinas besser kennen, er kommt auch in Kontakt mit den Chinesen, mit in China lebenden Ausländern und dem ganz normalen Wahnsinn im Reich der Mitte. Dabei gelingt es Christian Y. Schmidt immer wieder, vollkommen neue Perspektiven auf die üblichen China-Meinungen, Klischees und Vorurteile zu gewinnen.

 

Viele Jahre schrieb Christian Y. Schmidt sehr erfolgreich die im Satiremagazin Titanic erschienene und später als Buch zusammengefasste, Kolumne Bliefe von Dlüben, in der er augenzwinkernd und auf den Punkt gebracht von seinem Leben und seinen Erlebnissen in China berichtet. Er versichert zu Beginn von Allein unter 1,3 Milliarden, dass er (im Gegensatz zu Marco Polo) tatsächlich an jedem der aufgeführten Orte war und sich alles, wie in diesem Buch beschrieben, abgespielt hat. Und obwohl einiges aberwitzig, urkomisch und erstaunlich fremd erscheint: Wer sich einmal für längere Zeit in China aufgehalten hat, möchte ihm Glauben schenken.

 

Handwerklich wartet Christian Y. Schmidt mit solidem Können auf: indirekte Schilderungen, sich immer wieder kreuzende Handlungsstränge, das Spiel mit den Erwartungen des Lesers und wundervoll pointierte Anekdoten. Gerade für Menschen, die schon einmal in China waren, ist Allein unter 1,3 Milliarden eine hervorragende Lektüre, um seine eigenen China-Erlebnisse Revue passieren zu lassen und eine frische und (beinahe) unvoreingenommene Sicht auf China und die Chinesen zu gewinnen.

(Jaan Westphal)

 

Der Traum vom Goldenen Berg

Zhang Ling
Der Traum vom Goldenen Berg (Roman)
Schöffling & CO., deutsche Erstausgabe 2014
Euro 24.95
ISBN 978-3-89561-191-9

 

Eine Erbsache führt die Kanadierin Amy Smith nach China. Eigentlich will sie schnell wieder zurück, doch es kommt anders. Die Professorin erfährt die ebenso abenteuerliche wie tragische Geschichte ihrer Vorfahren, die in den Wilden Westen ausgewandert waren. China-Expertin Helga von der Nahmer hat das Buch gelesen.

 

Prof. Amy Smith, Universität von British Columbia/ Soziologisches Seminar, reist im Mai 2004 in die Provinz Guangdong, China. Ihre Mutter Fong Yin Ling hatte mehrere Briefe aus Hoi Ping erhalten, die alle den scharlachroten Stempel der Stadtverwaltung trugen. Es drehte sich dabei um den Familienbesitz der Familie Fong, die einen der ältesten Diulau vor Ort ihr Eigen nennen konnten.

 

Als letzte Vertreterin ihrer Sippe sollte sie nun ein Übereinkommen unterzeichnen, in dem sie die hiesigen Behörden als Treuhänder einsetzen möge. Die anderen Wohntürme in der Umgebung waren bereits als Weltkulturerbe registriert und dienten als touristische Sehenswürdigkeiten. Die alte Dame lebt im Pflegeheim und schickt nach langem Widerstand schließlich ihre eher unwillige Tochter in das Herkunftsland der Familie. Amy Smith will die Angelegenheit rasch über die Bühne bringen, lässt sich aber überreden, zuvor das heruntergekommene Gebäude zu besichtigen.

 

Beim Herumstöbern entdeckt sie eine alte kostbare Opiumpfeife, eine reich bestickte Seidenjacke, in deren Innentasche ein Paar Seidenstrümpfe stecken, mit Hundert-Dollar-Scheinen beklebte Wände und schließlich ein Päckchen alter Briefe. Ihre Neugier ist geweckt.

 

Aus der Perspektive des allwissenden Erzählers zeichnet die Autorin Zhang Ling das Leben und Wirken der Familie Fong nach: Aufstieg und Fall, Träume und Enttäuschungen. Mit der Auswanderung des Urgroßvaters nach Kanada beginnt die unendliche Geschichte dieser chinesischen Familie. Trennungsschmerz, große Erwartungen, Reichtum und schließlich Zerstörung. Die Haltung der kanadischen Regierung und der weißen Bevölkerung Chinesen gegenüber, die im 19. Jahrhundert zunächst als Kulis ins Land kamen, später Fuß fassten, schildert die Autorin eindringlich.

 

Der Leser erfährt in einzelnen Kapiteln, was die Männer der Familie in dem verheißenen Land durchleben, durchleiden. Die Frauen stehen ihren Mann in der chinesischen Provinz, unterstützt von den Dollar-Briefen. Politische Veränderungen, vom Sturz des Kaisers bis zur Entstehung der VR China erleben diese Frauen mit der ihnen anvertrauten Sippe. Zwischen die Erzählungen schiebt Zhang Ling Amy Smiths Eindrücke bei ihrem Besuch in Guangdong.

 

Mit Amy Smith, der letzten Vertreterin der Fong Sippe, vollendet sich der Kreis. Sie ist zu den Ursprüngen, den Wurzeln ihrer Vorfahren in das kleine Nest Hoi Ping in der Provinz Guangdong gekommen. Mit den schönen wie erschütternden Geschichten ihrer Ahnen im Gepäck kehrt sie nach Kanada zurück. In der vierten Generation hat sich mit Amy der Traum vom Goldenen Berg erfüllt

 

Der Roman ist mit seinen 668 Seiten dennoch kurzweilig. Zhang Ling hilft dem Leser mit der Ahnentafel der Fongs, sich zurechtzufinden bei Namen und Verwandtschaftsbeziehungen. Sie stellt im Anhang eine Chronik (1849 bis 1970)zusammen, die einen Überblick über die Bedeutung der Chinesen in Kanada gibt. Die Romanfigur Amy Smith besuchte 2004 China. Zehn Jahre später hat sich das Bild bereits wieder verändert. Politische Veränderungen in der VR China gestatten es, Geld zu transferieren. Reiche und superreiche Chinesen investieren im Ausland. Das hat auch Vancouver zu einem Überlaufventil gemacht. In der Stadt am Pazifik schätzen die Chinesen das gute Schulsystem, das milde Klima, die liberale Einwanderungspolitik, stabile politische Verhältnisse. (Helga von der Nahmer)

Buchrezension: Felix Lee: Macht und Moderne

Felix Lee, der chinesischstämmige Journalist hat sich kritisch mit dem Leben und Wirken des großen Reformers Deng Xiaopings auseinandergesetzt. Unsere Expertin Helga von der Nahmer hat die Biographie gelesen.

 

Bereits das Cover zeigt die Zerrissenheit der Person: Himmlischer Übervater, gütig blickender älterer Herr, den Blick abwendend von unter ihm rollenden Panzern. Ein kleiner Mensch mit Einkaufstüten stellt sich allein vor die drohende Übermacht der Maschinerie.

 

Felix Lee umreißt in kurzen Kapiteln das Leben und politische Wirken des bedeutenden Reformers Deng Xiaoping. Anhand eines Zeitstrahls lassen sich die politischen und persönlichen Stationen dieses Ausnahme-Politikers verfolgen. Mit seinem Aufstieg zur Macht ist einerseits der wirtschaftliche Aufschwung Chinas verbunden, andererseits blieben tiefgreifende politische Veränderungen aus. Das Reich der Mitte hat seinen Platz als Global Player gefunden zwischen den Großmächten USA, Rußland und Europa. China als zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde. trägt bei zum Wohlstand Amerikas und Europas. Lee wirft die Frage auf, ob Dengs Vermächtnis eher Fluch als Segen für das moderne China ist.

 

Der politisch interessierte Leser lernt in den zehn Kapiteln des Buches die Person Deng kennen: den Revolutionär, den Opportunisten, den Gestürzten, den Reformer, den Schattendiktator. Seine Wegbegleiter und Gegner werden vorgestellt. Die innenpolitischen Kämpfe und außenpolitischen Schachzüge des Reformers zeichnet Felix Lee ausführlich nach. Er würdigt Dengs „sicherlich bemerkenswertesten Leistungen…zumindest dem Namen nach (einen)kommunistischen Staat zu schaffen, der stabil funktioniert.“ „Ihm ist das schier Unmögliche gelungen: Gucci und Prada unter Hammer und Sichel.“

 

Deng gilt als Reformer, aber Demokratie war für ihn nie ein Ziel. Das Machtmonopol der KP durfte nicht angegriffen werden. Chinas Intellektuelle sehen Deng bis heute negativ. „Nur weil Deng nicht Millionen Menschenopfer auf dem Gewissen hat wie Mao, sondern einige Tausend, war er damit keineswegs weniger brutal“ so zitiert Felix Lee den Dissidenten Wu’er Kaixi im abschließenden Kapitel seines Buches und verweist auf die Studentendemonstrationen von 1989. Am 4.Juni erteilte Deng Xiaoping, das damalige informelle Staatsoberhaupt der Volksrepublik China, den Schießbefehl. Das ist nun 25 Jahre her.

Helga von der Nahmer

 

Felix Lee „Macht und Moderne“ Chinas großer Reformer, Deng Xiaoping, Die Biographie, Rotbuch Verlag 2014, ISBN 978-3-86789-195-0, 24,95€

 

Andreas Gruschke: Nomadische Ressourcennutzung und Existenzsicherung im Umbruch

Tibetische Nomaden sind seit Jahrtausenden über Handel, Kulturaustausch und Religion mit den Nachbarräumen vernetzt. Diese Verflechtungen haben durch die Globalisierung, besonders nach der Öffnung Chinas, um ein Vielfaches zugenommen.

 

Andreas Gruschke untersucht in seinem Buch, welchen Einflüssen nomadische Gruppen im tibetischen Hochland unterliegen. Er stellt die Frage: „Handeln die Menschen unter ökonomischen Zwängen, aufgrund von sozialem oder politischem Druck, oder ergeben sich für die Individuen Wahlmöglichkeiten?“Der Begriff „Tibet“ bezieht sich in Gruschkes Untersuchungen auf die kulturell und naturräumlich umrissene Region des Hochlands von Tibet, das in der VR China als Qinghai-Tibet-Plateau bezeichnet wird.

 

Hier leben ethnische Tibeter und tibetische Dialekte werden gesprochen. In sechs Arbeitsthesen setzt sich der Autor mit dem Thema Nomaden und ihrer engen Abhängigkeit von traditionellen und neuen Ressourcen auseinander. So untersucht er u a. die ökologischen Bedingungen der Weideregionen in Yushu, die eng mit dem Bevölkerungswachstum zusammenhängen. Beleuchtet die „Öffnung und Reformen“ Chinas. Zeigt auf, wie die abnehmende Bedeutung der Viehwirtschaft durch Einkommen aus einer außergewöhnlichen Ressource, den Raupenpilz, kompensiert wird. Untersucht werden auch die Auswirkungen von Umsiedlungsprogrammen.

 

Das Buch wendet sich nicht an eine breite Öffentlichkeit. Es ist eher für Experten und Tibet-Interessierte gedacht mit seinen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen, Statistiken. Und dennoch kann auch der Laie diesem Fachbuch eine Menge abgewinnen, wenn er sich durch den Grießbrei der Fachtermini hindurch gefressen hat. In Fallstudien zeigt Gruschke das wechselhafte Leben der Nomaden auf: ein Leben von Armut, Arbeit und Krankheit. Er läßt den Leser Einblicke gewinnen in Dorfgesellschaften.

 

In Interviews geben Einheimische ihre Wahrnehmungen wieder zu Veränderungen innerhalb des Nomadendaseins. So sprechen sie über den Wechsel vom Hirten zum Wildhüter, von Tagelöhnerei und Raupenpilzsuche, von Nomadenarzt und Apotheker, vom Dorfparteisekretär, von großen Herausforderungen bei der Umsiedlung vom Dorf in die Stadt und von den vielen Versprechungen, denen sie vertrauten.

 

Der Autor zieht im letzten Kapitel „Fazit und Ausblick“ Bilanz: Der Nomadismus in Tibet ist keineswegs dem Untergang geweiht, doch hat er seine Formen und Dimensionen, vielleicht auch sein Selbstverständnis verändert. Die meisten Befragten sehen sich durchaus als Nomaden. Freilich gehört aus ihrer Sicht das Sammeln von Raupenpilz genauso zum Nomadendasein wie das Hüten von Yaks. (Helga von der Nahmer)

 

Andreas Gruschke, Nomadische Ressourcennutzung und Existenzsicherung im Umbruch, Die osttibetische Region Yushu (Qinghai, VR China), Wiesbaden 2012, Dr. Ludwig Reichert Verlag, ISBN: 978-3-89500-643-2, € 88

 

Das Buch ist erschienen in der Reihe NOMADEN UND SESSHAFTE, Sonderforschungsbereich Differenz und Integration, Wechselwirkungen zwischen nomadischen und sesshaften Lebensformen in Zivilisationen der Alten Welt, Herausgegeben im Auftrag des SFB von Jörg Gertel, Stefan Leder, Jürgen Paul und Bernhard Streck, Band 15

 

Qingdao Grand Theatre in China

Meinhard von Gerkan, Stephan Schütz (Hg.)

Qingdao Grand Theatre in China

jovis Verlag, 2013

80 Seiten, mit ca. 20 s/w und 35 farb. Abbildungen
Leinen, Euro 29.00

ISBN 978-3-86859-321-1


Reisender kommst Du nach Qingdao vergiss nicht, die deutsche Bausubstanz mit roten Ziegeldächern und die dahinter emporschießenden Hochhäuser zu betrachten. Sorgfältig bewahrt die VR China hier die in der Kolonialzeit entstandene Bausubstanz. Nostalgisch, könnte man denken. Doch: Mit dem Qingdao Grand Theater- entworfen von den Architekten Meinhard von Gerkan und Stephan Schütz in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Partnerbüro ECADI - hat die Stadt einen neuen Magnetpunkt. In zwei anderen chinesischen Metropolen Tianjin und Chongqing erstellte gmp ebenfalls „Grand Theatres“. „Diese Kulturbauten, die einen hohen gestalterischen und öffentlichen Anspruch zu erfüllen haben, stehen auf der höchsten Stufe des kulturellen Interesses im Bereich der Architektur.“ (von Gerkan). Anschaulich, mit Beiträgen der Architekten und einer kulturellen geschichtlichen Einordnung, sowie einer fotografischen Dokumentation, bietet der jovis Verlag dem an Architektur interessierten Reisenden einen Überblick über die Entstehung und Vollendung dieses beeindruckenden Theaters in Qingdao. Nicht nur Tsingtau Bier und historische Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit sollten daher Anziehungspunkte sein. (vdN)

 

Das Chinesische Nationalmuseum in Peking

Meinhard von Gerkan, Stephan Schütz, Ma Lidong (Hg.)

Das Chinesische Nationalmuseum in Peking

Leinen, 108 Seiten mit ca. 20 s/w und 35 farb. Abb.

Verlag: jovis

Sprache: Deutsch/Englisch

ISBN 978-3-86859-320-4

 

Auf insgesamt 108 Seiten wird anschaulich die Entstehungsgeschichte des von dem Hamburger Architekturbüro von Gerkan und Partner entworfenen Erweiterungs-Baus des Chinesischen Nationalmuseums dargestellt.

Nach einem Vorwort des Direktors des Victoria and Albert Museums in London, Martin Roth, und dem Architekten Meinhard von Gerkan führt der amerikanische Kulturjournalist András Szántó den interessierten Leser durch den Entstehungsprozess des spektakulären Museumsbaus. Er zeigt, wie Chinesischer und Westlicher Kulturhintergrund in „feiner Balance“ den Entwurf bedingen und Architekturmoderne und chinesische Kulturtradition sich in den städtebaulichen Rahmen einfügen und zu einem Gesamtwerk verbinden. Die beeindruckenden Abbildungen des Architekturfotografen Christian Gahl zeigen besondere und wiederkehrende Elemente, sowie die nach besonderen Merkmalen ausgewählten Baumaterialen des Museums. Die Fotos heben die Ästhetik der Architektur hervor und belegen so anschaulich die in der Einleitung beschriebenen Gedanken und Absichten der Architekten.

Lebendig ist das Interview mit Stephan Schütz (gmp) und Ma Lidong (CABR), das die Zusammenarbeit beider Architektenbüros als große Herausforderung wegen unterschiedlicher kultureller, planerischer und organisatorischer Vorgehensweise deutlich macht. (vdN)

 

Chinesisch Sprachkalender 2014

Jeden Tag ein wenig Chinesisch lernen! Das bietet der Sprachkalender Chinesisch 2014 des Buske Verlags. Ein Abreißkalender der besonderen Art: Sprüche, kleine Geschichten, Redewendungen mit den notwendigen Erklärungen bringen die chinesische Sprache und die Kultur nahe. Kurze Übungen aktivieren Ihren Wortschatz, Zitate und lustige Sprüche bieten einen unterhaltsamen Einstieg in den Tag.

Natürlich fehlen auch der chinesische Mondkalender und die chinesischen Feiertage nicht.

Zu bestellen unter http://www.buske.de/

 

Der Admiral des Kaisers

Nora Frisch
Weng Qi

Der Admiral des Kaisers.
Die Abenteuer des Eunuchen Zheng He.

Kinder- und Jugendbuch
Gebundene Ausgabe: 142 Seiten
Verlag: Drachenhaus Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3943314014
ISBN-13: 978-3943314014

Die erste Hälfte des Buches gibt einen guten Überblick über die Geschichte und Gesellschaft Chinas zu Beginn des 15.Jh. So lernen wir, wie die Ming-Dynastie gegründet wurde, erhalten eine Einführung in die Lehren des Konfuzius und machen schließlich die Bekanntschaft mit Kaiser Yongle und seinem Admiral Zheng He. Anschließend werden wir in Staunen versetzt, wenn die Autoren über den Bau der Schiffe erzählen. Sie beschreiben nicht nur die handwerkliche Meisterleistung der Schiffsbauer, sondern zeigen auch, wie gut die Planung der Flotte durchdacht war. So wurden unter anderem Versorgungsschiffe gebaut, die über Wassertanks, Viehställe und sogar Gärten verfügten. In der zweiten Hälfte des Buches geht es dann endlich mit Zheng He auf Reisen. Wer jetzt an die Kolonialisierung im Stile unserer westlichen Entdecker denkt, wird erneut in Staunen versetzt. Natürlich geht es Kaiser Yongle um die Ausweitung der Macht Chinas. Aber er und Zheng He zeigen, dass man die Welt auch anders „erobern“ kann. So verteilt Zheng He im Namen seines Kaisers Gastgeschenke, treibt den Handel voran, stiftet Frieden und besiegt auch mal schnell Piraten, um die Meere für alle wieder sicher zu machen. So haben die Reisen Zheng He’s nicht nur Vorteile für das Chinesische Reich sondern auch für die besuchten Völker. Am Ende des Buches befindet sich schließlich ein umfangreiches Glossar, das alle chinesischen Begriffe noch einmal gut erklärt. In den Buchdeckeln befinden sich außerdem Landkarten, auf denen die Reiserouten eingezeichnet sind. Schön anzusehen sind auch die Zeichnungen im Stile chinesischer Tuschmalereien, mit denen das Buch illustriert ist. Mein Fazit: Es hat Spaß gemacht dieses Buch zu lesen. Es entführt einen in eine exotische Welt und macht Lust darauf, mehr zu erfahren. (Christina GOOSMANN)

 

 

www.chinatours.de
http://www.owc.de/thema/chinacontact/
http://german.cri.cn/
China Radio International
www.konfuzius-institute.de
Konfuzius-Institute
SinoJobs – European-Chinese Job Portal