Ein buntes Programm heisst die Gäste in Hannover willkommen Foto: hk
Von Ulrike HECKER
Im Kulturjahr China in Deutschland ist das Reich der Mitte auch Gastland der weltweit größten Industriemesse in Hannover. Wie wichtig Deutschland und diese Messe für China und den Handel mit
Deutschland und Europa sind, wurde herausgestrichen mit der hochoffiziellen Eröffnung durch Premierminister Wen Jiabao und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag, dem 22.04. Von den 5000
Ausstellern auf der Hannover Messe sind in diesem Jahr rund 460 Unternehmen aus China.
Ganz Hannover scheint in Erregung zu sein wegen des hohen Besuchs. Von Autobahnsperrungen und besonderen Sicherheitsmaßnahmen ist die Rede. Die Hannoveraner tragen dies mit Fassung. Sie freuen
sich auf die vielen kulturellen Angebote während der Messe-Woche.
Man hat sich vorbereitet auf die exotischen Gäste. Von roten Bannern über der Fußgängerzone leuchtet jedem ein freundliches „HuanYin!“ – „Herzlich Willkommen!“ entgegen. Der „Rote Faden“, ein
Hannover-Reiseführer, liegt an den Hotelrezeptionen in Chinesischer Sprache aus.
Am 20.04. lud die Stadt ins Rathaus zu einem Tag der Deutsch- Chinesischen Begegnung ein. In dem prachtvollen Foyer mit seiner riesigen Steintreppe boten Vereine und Institutionen rund um China
Informationen an. Es präsentierten sich auch Schulen, in denen Chinesisch-Unterricht zum Alltag gehört. Vorträge, Musik und Qigong-Übungen gaben einen Einblick in das chinesische Alltagsleben.
Eine rundum bunte und fröhliche Veranstaltung.
Der verkaufsoffene Sonntag, der Tag der Eröffnungsfeier, begrüßte seine 200.000 Besucher, darunter auch viele Messegäste aus China, mit einem bunten chinesischen Programm. Löwentanz und
klassischer Gesang, Teezeremonie und Opernmasken faszinierten die Zuschauer.
Teezeremonie
versus
Protestaktionen
Doch es gibt auch eine nicht ganz so bunte Seite Chinas in Hannover. Der Besuch Wen Jiabaos und die vielen chinesischen Veranstaltungen rufen auch die Kritiker auf den Plan. Es sind
Mahnwachen und friedliche Demonstrationen angekündigt. Amnesty International nutzt die Gelegenheit, um mit großen Plakaten in den U-Bahn-Stationen in Englisch und Deutsch auf die chinesische
Menschenrechtssituation aufmerksam zu machen. Ein Mann, der die bunte Fahne der Tibet-Aktivisten wie einen Poncho umgehängt hat, stellt sich zu den Zuschauern beim Drachentanz. Die Gesellschaft
für bedrohte Völker verteilt Flugblätter. In einer Ecke hat die Falungong- Sekte ein Zelt aufgebaut und versucht, mit drastischen Phrasen auf ihre Probleme aufmerksam zu
machen.
Dass die Universität Hannover ausgerechnet eine Woche vor der Messe ein großes Plakat mit dem Portrait des Künstlers und Regimegegners Ai Weiwei, das monatelang an einem der Gebäude
gehangen hat, entfernen ließ, erregt Unmut. Da mag niemand glauben, dass es sich um einen Zufall handelt.
Die meisten Proteste blieben friedlich. Die Besucher aus China nahmen sie kaum wahr. Selbst Wang Qiang, ein chinesischer Student, der schon einige Monate in Hannover lebt, kennt die Plakate
von Amnesty International nicht. Die Mahnwache vor dem Kuppelsaal, in dem die Eröffnungsfeier stattfand, brachte kaum mehr als 100 Menschen zusammen.
Auf weitere Begegnungen darf man gespannt sein. [....]